Vision Boards 2025: Wie aus einem Neujahrsritual ein Social-Content-Format wird

Abstrakte Visualisierung: Moodboards zum Jahreswechsel

Zum Jahreswechsel tauchen auf Instagram und Pinterest wieder Vision Boards auf: digitale oder physische Collagen aus Bildern, Begriffen und kleinen Symbolen für die eigenen Ziele im neuen Jahr. Neu ist das Prinzip nicht. Interessant ist aber, wie gut dieses persönliche Neujahrsritual inzwischen zur aktuellen Social-Content-Logik passt. Gerade Pinterest hat sein Collage-Format 2024 deutlich ausgebaut – und meldet stark steigende Nutzung.

Vision Boards gehören seit Jahren zum Jahresauftakt. Menschen sammeln Bilder für Reiseziele, berufliche Pläne, Fitness, Wohnen, Finanzen oder persönliche Wünsche und setzen daraus eine visuelle Vorstellung des kommenden Jahres zusammen.

Für Creator entsteht daraus ein naheliegendes Content-Format. Es verbindet einen wiederkehrenden saisonalen Anlass mit persönlicher Perspektive und einer visuellen Form, die sich relativ einfach für Social Media aufbereiten lässt.

Der interessantere Punkt für Content-Teams liegt deshalb vielleicht weniger im Vision Board selbst. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich wiederkehrende kulturelle und saisonale Rituale zu planbaren Content-Momenten entwickeln können.

Pinterest macht aus der Collage ein Social-Format

Dass Vision Boards Anfang 2025 besonders gut in die Plattformlogik passen, hat auch mit der Entwicklung von Pinterest zu tun. Im September 2024 berichtete Pinterest, dass die Zahl der auf der Plattform erstellten Collagen seit Jahresbeginn um 418 Prozent gestiegen sei.

Pinterest nennt Moodboards, Outfit-Planungen, Beauty-Routinen und das Visualisieren zukünftiger Wünsche ausdrücklich als typische Anwendungen. Mit neuen Remix- und Sharing-Funktionen können Collagen zudem leichter gemeinsam weiterentwickelt und anschließend auch außerhalb von Pinterest geteilt werden. Pinterest Newsroom: Neue Möglichkeiten zum Erstellen und Teilen von Collagen

Damit trifft das klassische Vision Board auf eine technische Content-Mechanik, die ohnehin an Bedeutung gewinnt.

Pinterest eignet sich dabei besonders für die erste Phase: Ideen entdecken, Bilder sammeln, speichern und zu einem visuellen Gesamtbild zusammenstellen. Die fertige Collage kann anschließend auf Pinterest selbst oder als Story, Reel beziehungsweise Feed-Content auf anderen Social-Plattformen weiterverwendet werden.

Aus einem persönlichen Planungsinstrument wird damit relativ schnell ein Social-Content-Asset.

Warum Vision Boards als Content funktionieren

Für Creator besitzt das Format einige Eigenschaften, die sich gut ergänzen. Ein Vision Board ist persönlich, ohne zwangsläufig sehr private Informationen offenzulegen. Es bietet einen Anlass, etwas über eigene Ziele und Prioritäten zu erzählen, ohne daraus einen langen persönlichen Bericht machen zu müssen.

Gleichzeitig lässt sich das Prinzip sehr unterschiedlich interpretieren. Ein Travel Creator visualisiert mögliche Reiseziele. Ein Finance Account zeigt Spar- oder Investmentziele. Im Fitness-Umfeld geht es um Routinen und persönliche Entwicklung, bei Interior Creatorn um Wohnideen oder geplante Veränderungen.

Der gemeinsame Nenner ist nicht das Thema, sondern die Zukunftsperspektive.

Genau deshalb funktioniert das Format besonders gut zum Jahreswechsel. Januar ist einer der wenigen Momente im Jahr, an denen das Nachdenken über Ziele, Veränderungen und neue Routinen selbst zum gesellschaftlich geteilten Thema wird. Creator müssen den Anlass nicht erst erklären – er ist bereits vorhanden.

Pinterest selbst setzt auf diese Planungslogik

Auch der im Dezember veröffentlichte Pinterest Predicts Report 2025 passt dazu. Pinterest positioniert die Plattform ausdrücklich als Ort, an dem mehr als eine halbe Milliarde monatlich aktive Nutzer:innen nach Ideen suchen, Trends entdecken und zukünftige Entscheidungen planen.

Für die 2025er Prognosen hebt Pinterest zudem hervor, dass ein großer Teil der identifizierten Trends von Gen Z geprägt wird. Das Unternehmen nutzt dafür unter anderem Such-, Speicher- und Nutzungsdaten seiner Plattform. Pinterest Newsroom: Pinterest Predicts – 20 Trends für 2025

Das ist natürlich die Selbsteinordnung einer Plattform und kein unabhängiger Marktbeleg. Für die Content-Planung ist die dahinterliegende Nutzungssituation trotzdem interessant: Pinterest wird nicht nur zur Dokumentation dessen verwendet, was Menschen bereits getan oder gekauft haben. Ein wesentlicher Teil der Nutzung richtet sich auf das, was möglicherweise als Nächstes kommen soll.

Vision Boards passen ziemlich genau in diese Logik.

Für Marken ist die Anschlussfähigkeit offensichtlich – aber nicht automatisch glaubwürdig

Auch Marken können an solche Zukunftsbilder anschließen. Ein Reiseziel, ein Kleidungsstück, ein Einrichtungsgegenstand oder eine App kann selbstverständlich Bestandteil eines persönlichen Vision Boards sein.

Gerade deshalb ist aber Vorsicht angebracht.

Die Stärke des Formats liegt darin, dass ein Creator eine eigene Vorstellung vom kommenden Jahr sichtbar macht. Wird eine Kooperation erkennbar nachträglich in dieses persönliche Bild hineinkonstruiert, kann genau diese Qualität verloren gehen.

Ein Produkt passt deshalb nicht schon dann zu einem Vision Board, weil es sich visuell dort platzieren lässt. Entscheidend ist, ob es inhaltlich glaubwürdig zu den tatsächlichen Zielen und Themen der Person gehört.

Für Kooperationen gilt damit im Grunde dieselbe Regel wie für andere persönliche Creator-Formate: Je stärker die Wirkung aus persönlicher Perspektive entsteht, desto weniger darf die Markenintegration wie ein Fremdkörper wirken.

Interessanter als der Trend ist das wiederkehrende Content-Muster

Eine isolierte Wachstumskurve speziell für Vision Boards veröffentlicht Pinterest nach unserer Kenntnis nicht. Wir können deshalb nicht seriös behaupten, Vision Boards hätten 2025 um einen bestimmten Wert zugelegt.

Die Entwicklung des zugrunde liegenden Formats lässt sich dagegen belegen: Pinterest meldete bereits bis September 2024 einen Anstieg der erstellten Collagen um 418 Prozent. Vision Boards treffen damit zum Jahreswechsel auf eine Content-Mechanik, die ohnehin stark genutzt wird. Pinterest Newsroom: Collagen auf Pinterest

Für Content-Verantwortliche ist deshalb weniger interessant, ob Vision Boards gerade der nächste große Trend werden.

Interessanter ist das Muster dahinter:

Wiederkehrender Anlass + bekannte kulturelle Praxis + passende Plattformmechanik = planbarer Content-Moment.

Davon gibt es im Jahresverlauf viele. Jahresrückblicke im Dezember, Vorsätze und Vision Boards im Januar, Reiseplanung vor dem Sommer oder Geschenkideen vor Weihnachten funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip.

Die Aufgabe einer systematischen Content-Planung besteht dann nicht darin, jedes Jahr spontan auf dieselben Trends zu reagieren. Sie kann solche Momente frühzeitig identifizieren und überlegen, welche davon tatsächlich zur eigenen Zielgruppe und zum eigenen Themenfeld passen.

Fazit: Vision Boards sind weniger Trend als Content Pattern

Vision Boards sind Anfang 2025 kein neues Social-Media-Phänomen. Gerade das macht sie für die Content-Planung interessant.

Ein bereits bekanntes Neujahrsritual trifft auf eine stark wachsende Collage-Funktion und lässt sich relativ einfach zwischen Pinterest, Instagram und anderen visuellen Plattformen übertragen. Für Creator entsteht daraus ein wiederkehrendes Format für persönliche Zielbilder. Für Marken kann es eine Anschlussmöglichkeit bieten, wenn Produkt und Zukunftsbild tatsächlich zusammenpassen.

Die übertragbare Erkenntnis liegt aber eine Ebene darüber: Gute Social-Content-Planung muss nicht ständig neue Trends erfinden. Sie kann wiederkehrende kulturelle Momente erkennen und mit den jeweils aktuellen Plattformmechaniken verbinden.

Vision Boards sind dafür zum Jahresauftakt 2025 ein anschauliches Beispiel.

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