Nach dem Sommer: Wie generative KI die Content-Redaktion 2023 verändert

Seit dem Frühjahr experimentieren wir mit ChatGPT in der eigenen Content-Produktion. Inzwischen ist daraus ein fester Bestandteil unseres Redaktionsalltags geworden. Gleichzeitig präzisiert auch Google seine Haltung zu KI-generierten Inhalten – und rückt dabei die fachliche Prüfung stärker neben die eigentliche Erstellung.

Schon im März zeigte eine Exklusivstudie von Batten & Company und Appinio unter 1.000 Deutschen, wie schnell ChatGPT hierzulande Bekanntheit und Nutzung gewonnen hatte (Quelle: HORIZONT 2023). Im Frühjahr haben wir hier bereits beschrieben, wie wir ChatGPT in der eigenen Content-Erstellung einsetzen: von der Beitragsstruktur über Kontextanpassungen bis zur Feinarbeit an Formulierungen.

Seither ist das für uns kein Experiment mehr, sondern Teil des Redaktionsalltags. Nach dem Sommer lohnt sich deshalb ein Zwischenstand. Auch weil Google mit seinem Helpful-Content-Update im September seine bisherigen Formulierungen zum Umgang mit maschinell erzeugten Inhalten verändert hat.

Google rückt vom „geschrieben von“ ab

Mit dem Helpful-Content-Update, das ab dem 14. September ausgerollt wurde, hat Google einige kleine, aber inhaltlich interessante Formulierungen geändert. In der Beschreibung des Helpful Content Systems verschwand die bisherige Betonung auf Inhalte, die „von Menschen für Menschen“ geschrieben wurden. Stattdessen spricht Google nun allgemeiner von Inhalten, die „für Menschen erstellt“ wurden.

Auch bei der fachlichen Expertise gibt es eine bemerkenswerte Ergänzung. Aus der Frage, ob ein Inhalt von einer Person mit entsprechender Expertise geschrieben wurde, wird nun die Frage, ob er von einer solchen Person geschrieben oder geprüft wurde (Quelle: Search Engine Journal 2023).

Google macht damit deutlicher, dass fachliche Expertise nicht zwingend nur durch die schreibende Person eingebracht werden muss. Sie kann auch durch eine fachkundige Prüfung des Inhalts entstehen. Entscheidend bleibt damit weniger der technische Entstehungsprozess als die Qualität und Verlässlichkeit des Ergebnisses.

Für uns passt das zu dem Vorgehen, das sich in den vergangenen Monaten herausgebildet hat. Wir lassen ChatGPT Strukturen vorschlagen und erste Textfassungen erstellen. Anschließend gehen wir die Ergebnisse Zeile für Zeile durch, prüfen Aussagen und Quellen, verändern Formulierungen und ergänzen den notwendigen fachlichen Kontext. Am Ende veröffentlichen wir den Beitrag unter unserem Namen und übernehmen dafür die redaktionelle Verantwortung.

Diskutiert mit uns über die aktuellen Veränderungen beim Content & Social Media Marketing

Jetzt kostengünstiges Ticket zum Shift/MarKom D2M SUMMIT sichern! Mehr Infos!

Was sich in der Praxis dadurch nicht verändert

Trotzdem wäre es zu einfach, daraus ein „KI macht, Mensch nickt ab“-Prinzip abzuleiten. Was uns in den letzten Monaten am meisten Zeit gekostet hat, war selten das Erstellen einer ersten Textfassung. Das ging schon im Frühjahr erstaunlich schnell.

Zeit kostet weiterhin die inhaltliche Prüfung: Stimmen die genannten Fakten wirklich? Trägt die angeführte Quelle tatsächlich die Aussage? Fehlt wichtiger Kontext? Und klingt der Text am Ende noch nach uns oder liest er sich wie ein beliebiger Beitrag?

Genau an dieser Stelle wird die neue Google-Formulierung für uns interessant. Sie löst das Problem nicht, sondern verschiebt den Schwerpunkt. „Von einer Expertin oder einem Experten geprüft“ ist kein technischer Haken, den man setzt. Es ist redaktionelle Arbeit. Und diese Prüfung braucht genauso viel Sorgfalt wie das Schreiben selbst. Teilweise sogar mehr, weil ein fremder Entwurf erst nachvollzogen und fachlich eingeordnet werden muss.

Die Produktivität entsteht damit nicht automatisch durch schneller erzeugte Texte. Sie hängt davon ab, wie gut das Zusammenspiel zwischen KI-Entwurf und menschlicher Prüfung funktioniert.

Was uns aktuell beschäftigt

Zwei Fragen begleiten uns deshalb gerade durch den Redaktionsalltag.

Erstens: Wie viel Kontext braucht ein KI-System, damit ein erster Entwurf bereits nah genug an unserem eigenen Ton und unserer fachlichen Perspektive liegt, dass die Prüfung nicht zur kompletten Neuschreibung wird?

Zweitens: Wo ziehen wir die Grenze, an der ein Thema so heikel, fachlich anspruchsvoll oder persönlich ist, dass wir gar nicht erst mit einem KI-Entwurf starten, sondern selbst zuerst schreiben?

Auf beide Fragen haben wir noch keine endgültige Antwort. Aber sie zeigen, wo die eigentliche Veränderung derzeit stattfindet. Nicht allein bei den immer neuen KI-Tools, sondern in unseren Redaktionsprozessen und Rollen.

Wenn Maschinen einen Teil der Formulierungsarbeit übernehmen können, wird die Aufgabe der Redaktion nicht kleiner. Sie verschiebt sich stärker auf Kontext, Auswahl, Prüfung und fachliche Verantwortung.

Transparenzhinweis:
Wir legen großen Wert auf sachliche und unabhängige Beiträge. Um nachvollziehbar zu machen, unter welchen Rahmenbedingungen unsere Inhalte entstehen, geben wir folgende Hinweise:
  • Partnerschaften: Vorgestellte Lösungsanbieter können Partner oder Sponsoren unserer Veranstaltungen sein. Dies beeinflusst jedoch nicht die redaktionelle Auswahl oder Bewertung im Beitrag.
  • Einsatz von KI-Tools: Bei der Texterstellung und grafischen Aufbereitung unterstützen uns KI-gestützte Werkzeuge. Die inhaltlichen Aussagen beruhen auf eigener Recherche, werden redaktionell geprüft und spiegeln die fachliche Einschätzung des Autors wider.
  • Quellenangaben: Externe Studien, Daten und Zitate werden transparent kenntlich gemacht und mit entsprechenden Quellen belegt.
  • Aktualität: Alle Inhalte beziehen sich auf den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Spätere Entwicklungen können einzelne Aussagen überholen.
  • Gastbeiträge und Interviews: Beiträge von externen Autorinnen und Autoren – etwa in Form von Interviews oder Gastbeiträgen – sind klar gekennzeichnet und geben die jeweilige persönliche Meinung wieder.

Suche

Top Themen

Bleiben Sie rund um den Wandel der Kommunikation informiert!